1524: Stürmische Zeiten - Der Ittinger Sturm im Fokus
Ausstellung zum Bauernkrieg
Der Sturm auf die Kartause Ittingen im Sommer 1524 war ein Schlüsselereignis der schweizerischen Reformationsgeschichte. Rund 3000 versammelte Dorfansässige der Umgebung überfielen das Kloster und liessen es schliesslich in Schutt und Asche zurück.
Für die herrschenden Kreise war der Überfall ein Weckruf: In der zunehmend konfessionell gespaltenen Eidgenossenschaft fühlte sich die katholische Seite in der Unterstützung der Klöster bestärkt, während die reformierte Seite eine geordnete Abwicklung der Klöster anstrebte und keinesfalls einen weiteren spontanen Volksaufruhr dieser Art dulden wollte.
Neben dem grenzüberschreitenden Blick beleuchten wir in der Ausstellung auch die Bedeutung für den Beginn des Bauernkriegs in Hilzingen im Oktober1524.
Werfen Sie auf dieser Seite einen Blick in die Ausstellung in der Remise des Museums.
Erfahren Sie unten mehr mit Audiodateien über "stürmische Zeiten".
Wir bedanken und beim Museum Ittingen und Dr. Felix Ackermann für die Überlassung der Ausstellung, der Audiodateien und dazugehörenden Texte!



Stürmische Zeiten - zum Reinhören
... und warum interessiert uns das in Hilzingen?
Sommer 1524
Historische Bedeutung des Ittinger Sturms
Die Vorgänge rund um die Kartause Ittingen heizten die konfessionellen Konflikte innerhalb der Eidgenossenschaft an und erscheinen dadurch als Vorbote einer künftigen chronischen Problematik in den innereidgenössischen Beziehungen, die immer wieder zu teils blutigen Auseinandersetzungen führen sollte.
Bedeutung für Hilzingen
Der Ittinger Sturm und die Hilzinger Kirchweih weisen Gemeinsamkeiten auf: Beide Ereignisse finden von Frühjahr bis Herbst 1524 statt.
Das Einzugsgebiet des Ittinger Sturms ist keine 30 Kilometer von Hilzingen entfernt.
Die Sturmglocken wurden als Alarm eingesetzt und der Widerstand richtet sich gegen die Obrigkeit.
Juni 1524
Die Entfernung der Bilder aus den Züricher Kirchen
Trotz Entfernung der Bilder aus den Zürcher Kirchen findet kein Bildersturm statt, da im Auftrag des Rats städtische Werkleute in den geschlossenen Kirchen arbeiten. Ein öffentlicher Aufruhr soll vermieden werden, allein die Feuer auf den Plätzen können die Bürger sehen.
Auf dem Land ergreift vermehrt die Bevölkerung die Initiative. Im Grenzgebiet zum Thurgau zeichnen sich dadurch Spannungen ab: Dort übt der altgläubige Landvogt in Frauenfeld die hohe Gerichtsbarkeit aus.
Protestzug zur Kirchweih
Vom Aufstand zur Hilzinger Kirchweih sind weder Plünderungen, Brand noch Verletzungen überliefert.
Auch vom Verhalten der Hegaubauern in den Feldzügen des Bauernkriegs sind keine nennenswerten Grausamkeiten bekannt.
Juli 1524
Das Kloster brennt
Die stürmende Bevölkerung überfällt das Ittinger Kloster. Zu reformatorischen Aktivitäten wie Bildersturm oder Entkleidung der Mönche kommen Plünderungen hinzu.
Die Klosteranlage geht in Flammen auf. Die Brandstifter zielen auf eine definitive Auslöschung des Klosters ab. Der Brand ist dann auch das Signal für einen eiligen Abzug der Stürmer.
Sturmglocken - was ist das?
Um bei Gefahr Alarm zu schlagen, wurde die größte Glocke im Ort geläutet - in der Regel die Kirchenglocke.
Die Sturmglocke wurde in schneller Folge geläutet und rief dadurch alle Menschen zusammen, um die drohende Gefahr abzuwenden.
September 1524
Was bleibt?
Aufgearbeitet ist die Kontroverse um den Ittinger Sturm mit der öffentlichen Hinrichtung der Verurteilten nicht.
Innerhalb weniger Jahre hat sich in der Schweizer Eidgenossenschaft eine tiefe Kluft zwischen Anhängern der neuen Glaubensrichtung und den Anhängern der traditionellen kirchlichen Lehren aufgetan. Durch den Klostersturm wurde diese Kluft nur noch vertieft.
Was bleibt?
Der Konflikt zwischen den Hegaubauern und der Obrigkeit wurde verschleppt und brach immer wieder aus.
Das Gedenken an die Anführer wurde mit dem Auslöschen jeglicher Erinnerung über den Tod hinaus verfolgt.
Die Ausstellung wird gefördert mit Mitteln der Stiftung "Orte der deutschen Demokratiegeschichte".
